Zurückmeldung und Wiedergeburt 3.0

Und wieder sind mehrere Jahre ins Land gezogen. Ich denke darüber nach meinen Blogg zu schließen. 

Was ist geschehen?

Ich lebte ca. 18 Monate glücklich in der Landkommune und war wieder auf gutem Wege mit dem Wandern neu zu beginnen. Mein Traum war ja nach wie vor eine Alpenüberquerung auf eigenen Füßen.
Ich ging im August 2018 zum Arzt weil ich schlechter Luft bekam, obwohl ich schon über 10 Jahre nicht mehr rauche. Nach mehreren Untersuchungen hatte ich die Diagnose Lungenkebs. Aber ich hatte Glück im Unglück, weil sich noch keine Metastasen gebildet hatten. Man entfernte mir drei Viertel meines rechten Lungenflügels und verabreichte mir hinterher noch prophylaktisch vier Portionen Chemogift. Auf die Nebenwirkungen möchte ich ich nicht im einzelnen eingehen. Nur soviel, dass es kein Pappenstiel war und ich leichte Nervenschäden in Beinen und Füßen davon trug.
In der Kommune gingen derweil die Meinungen, wie man mit Menschen umgeht, immer weiter auseinander. Man wollte die Kritik meiner Frau nicht mehr dulden und erwartete ihren Auszug. Ich selbst könne ja gerne bleiben, was ich dann darauf aber dankend ablehnte. Ein Team das sich im Laufe von über 30 Jahren ganz gemütlich eingespielt hat, spaltet man doch nicht.
Und nein. Wir wollten nicht zurück in die Stadt. Wir fanden wenige Kilometer weiter eine Bleibe am Waldrand, außerhalb eines Dorfes mit knapp 200 Einwohnern.

Inzwischen haben wir uns hier in Brabecke gut eingelebt, neue nette Menschen und Freunde gefunden. An guten Tagen schaffe ich einen langen Spaziergang von 6 – 8 Kilometer, dann schwinden meine Kräfte, die ich ja leider nun auch verstärkt zum Atmen brauche. Eine leichte Steigung beim Gehen ist für mich nur vergleichbar mit einem Spurt. Der Traum einen Alpenüberquerung per Pedes bleibt nun ein Traum. Mit dem Wandern ist leider Schluss bei mir. Aber Hurra, ich lebe noch. Ich habe alte Hobbies wieder aufleben lassen. Meine Leidenschaft zu basteln. Plastikmodellbau, Tiffanytechnik, Modelleisenbahn usw. Der Zufall hat mich mit jemanden zusammengebracht, der angefangen hat eine sehr große Modelleisenbahn in die Lagerräume eines ehemaligen Drogeriemarktes zu bauen. Nun stehen wir kurz vor der Vereinsgründung und bauen eine Kleinausgabe der Miniaturwelt in Hamburg. Die Sauerländer freuen sich über eine neue Attraktion.
Meinen Bienen hat der letzte Umzug und meine letzten Experimente leider nicht dehr gut getan. In der Corona-Saison 2020 habe ich drei Völker verloren. Dies war bisher mein schlechtestes Bienenjahr.

Nun weiß ich nicht wer hier noch mit liest. Aber ich bin dankbar für Anregeungen.

Zurückmeldung und Wiedergeburt 2.0

Mit Entsetzen habe ich soeben festgestellt, dass ich meinen Blog zwei Jahre nicht gepflegt habe. Das soll sich bald wieder ändern.

Was ist geschehen?
Ich leide unter Depressionen und bin deshalb auch schon länger in Behandlung. Durch die vielen Begleiterscheinungen und Symptome verlor ich meinen Arbeitsplatz, was ich mittlerweile nicht mehr bedauere. Was mir immer noch schwer zu schaffen macht ist in erster Linie die Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit und öfter die Entschlussfähigkeit. Das hat auch dazu geführt, dass ich in letzter Zeit meine Wanderschuhe fast gar nicht benuzt habe. Ich war schon hin und wieder draussen und unterwegs, dann hatte ich jedoch keine Kamera dabei und keine Lust darüber zu schreiben.

Wie es dazu kam.
Meine liebe Frau hat mich damals rechtzeitig zu einem Arzt geschickt. So kam ich in professionelle Hände, in Behandlung, in Reha, in Therapie. Während dieser Zeit habe ich viel über mich selbst gelernt, gelernt auf mich sie achten, gelernt auf das zu achten was um mich herum geschieht und was das mit mir macht. Ich dachte immer das macht nichts mit mir. Dieser dumme Spruch. Und doch. Dinge machen etwas mit einem. Ich habe gelernt was mir wichtig ist.
Verbundenheit, Vertrauen, Gemeinschaft, gegenseitige, und Selbstachtsamkeit und eine ökonomische Verteilung von Resoursen.

„Wennze weiß, watt willz, musse machen datte hinkomms.“ (Missfits)

Nun bin ich am machen, so gut es geht.

Wie ist der Stand?
Inzwischen bin ich dabei mein Leben in meinen Augen ziemlich auf den Kopf zu stellen. Ich habe die Bienen für mich entdeckt und bin Imker geworden, bin längst bei der Krankenkasse ausgesteurt und lebe im Moment von Hartz 4, weil mein Rentenantrag noch immer in Arbeit ist. Mittlerweile am Sozialgericht. Ich komme einigermaßen zurecht. Seit mal ehrlich. was braucht man schon wirklich? Sicher. Mein Konto ist leicht überzogen. Aber sonst bin ich Schuldenfrei und zufrieden, hab ein Dach über dem Kopf und verhungere nicht.

Ein Ausblick in die nähere Zukunft.
Zunächst einmal erfolgt ein Umzug. Nicht einfach nur in eine andere Wohnung, nein, nein. Weg aus meiner tollen Hausgemeinschaft, sogar weg aus meinem geliebten Viertel, sogar weg aus meiner Heimatstadt, sogar weg von meiner Familie und meinen Kindern.
Ich wandere aus in ein anderes Land. Ins Sauerland. Das ist für mich persönlich ein riesiger Schritt, den ich mir nie hätte vorstellen können. Ich spüre die Frage: Warum? Diese habe ich sogar selbst gestellt und mit der Chance auf Erfüllung meiner Prioritäten beantwortet.
Gestattet mir einen Zwischensatz.
Wenn mir vor einem Jahr jemand gesagt hätte dass ich einmal in einer Kommune leben werde, hätte ich ihm einen Vogel gezeigt und gefragt, was zum Henker ich bei solchen Spinnern soll.
Nun ist es raus. Ich werde Kommunarde. Und das mit Stolz. Und mein Schatz kommt mit. Wir hatten das große Glück auf Menschen zu stoßen die ähnliche Wünsche, Visionen und die Tatkraft haben das alles wahr werden zu lassen. Zwei Menschen haben das Ei in Form von Idee, Grundstück und Gebäude gelegt, die Samenzellen zur Befruchtung gesucht und unter anderen uns dabei gefunden …. oder wir das Ei. Mittlerweille ist es völlig unerheblich was nun zuerst da war. Wichtig ist nur dass das Ei im Augenblick noch bebrütet wird und dass schon sehr bald eine neue Gemeinschaft daraus entsteht und wächst. Wir sind ein Teil dessen, dürfen seit der Befruchtung dabei sein und es wachsen lassen.
Unser Einhornland im Wolkenmacherland.
Und dort sind auch viele Wanderwege.

 

 

Sommercamp 2015

Planung, Vorbereitung, Durchführung und Teilnahme eines 14-tägigen „Sommercamps“ mit einem Arbeitsteil am Vormittag und einem Workshopteil am Nachmittag. 2 Wochen Camping zwischen Wuppertal und Neviges.
Ich war mit im Orga-Team um zu einem guten Gelingen meinen Beitrag zu leisten.
Das ganze fand statt auf dem Gelände und in den Räumen der „Silvio Gesell Tagungsstätte“. Schirmherren des Sommercamps waren, oder sind, der
„Freiwirtschaftlicher Jugendverband Deutschland e.V.“ (Eigentümer der Tagungsstätte) und der „Förderverein Natürliche Wirtschaftsordnung e.V.“ mit Sitz in Essen (Herausgerber der Zeitschrift HUMANE WIRTSCHAFT), der kräftig Spenden für den Lernort gesammelt hat, der dort zur Zeit entsteht. Tatkräftige, internationale Unterstützung bei der Umsetzung bekamen wir von mehreren, sogenannten Workaway-ern, die sich auf der Plattform Workaway organisieren und so zu uns fanden.
Doch nun genug der trockenen Fakten.

Das Gelände der Tagungsstätte ist eingebettet zwischen Wiesen und Feldern.k-DSCF5204 k-DSCF5169k-DSCF4845
Selbst bei bedrohlichem Wetter noch schön anzusehen.

Die letzten Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Schilder werden gemalt, wetterfeste Planen verspannt und schnell noch etwas Häckselgut verteilt, damit es in der Outdoorküche unter dem großen Carport nicht so matschig wird.
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Die ersten Gäste treffen ein. Grob geschätzt fanden sich in etwa 75 Dauergäste ein, wovon nur ein kleiner Teil Heimschläfer waren. An den Nachmittagen wuchs die Zahl auf über 100 und an besonderen Tagen sogar auf ca. 200 Gäste.
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Die weiße Kabine, rechts auf dem letzen Foto, ist keine Campingdusche, sondern eine von drei Komposttoiletten. Daraus sponn sich schon während der Vorbereitungen ein roter Faden, der sich durch das gesamte Sommercamp zog. Aber wir wissen nun wie die Dinger funktionieren, wo ihre Schwächen sind, wie man sie pflegt und repariert. Und welche weiteren Erfindungen sie hervorbrachten. Als da wären: Der Kackstampfer. Er wird gebraucht wenn sich die Haufen aus dem Erde- Holzkohle- und Kackgemisch zu sehr im Fermenter türmen. Dann wird der Kackstampfer (ein kräftiger Ast) eingesetzt um die Masse einzuebnen.
Des weiteren wurde der Pissstocher erfunden. Er wird eingesetzt wenn der Pipiseperatortrichter versehentlich durch das nach dem Kacken einzusetztende Gemisch aus Erde und Holzkohle verstopft wurde.
Auf dem nächsten Foto ist kein ausgepinkelter Nierenstein oder Urinsteinzu sehen, sondern ein geologisches Gesteinsbröckchen, welches versehentlich in den Pipitrichter gelangt ist und diesen verstopft hat. Aufgrund seiner Größe konnte er nicht mit dem Pissstocher (ein dünner Zweig) entfernt werden, sondern musste unter Zuhilfenahme der eigenen Finger und Demontage des Pipischlauches entfernt werden.
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Genug der Kacke usw. Wenden wir uns nun dem zu wie es dazu kommt. Der Nahrung.
Die Mahlzeiten wurden in erster Linie aus vor der Tonne geretteten Lebensmitteln zubereitet. Dazu hat uns die Plattform foodsharing.de als auch die Wuppertaler und Solinger Foodsaver geholfen. Die Kühlschränke und Vorratskisten waren stets gut gefüllt. Ein paar Tage lang musste als Dessert zur Hauptmahlzeit 4 Puddings pro Person ausgegeben werden um den geretteten Puddingberg abzubauen. Teilweise hat uns auch die Profiküche des Hauses unterstützt.
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Zu den Workshops. Ein sehr beit gefächertes Angebot wurde in den Stunden nach Mittag angeboten. Viel mit Bewegung, spirituellem, Massage, kreativem, zwischenmenschlichem, Yoga, Filmvorführungen, Tanz, und, und, und….
Ich persönlich hatte es immer sehr schwer mich zu entscheiden, habe in einige Workshops reingeschnüffelt und nur an wenigen komplett teilgenommen. Auch war ich ständig dabei zu organisieren, fotografieren, hin- und herzuräumen, Problemchen zu beseitigen, mit Menschen zu sprechen und Dienste zu erledigen.

Der erste Dienst des Tages war der Weckdienst. Für jede Mahlzeit gab es einen Koch,  k-DSCF5192 unterstützt von mehreren Schnipplern. Einen Hygieneinspektor und einen Handlanger für die sanitären Anlagen, sprich Kompostklos. Einen Begrüßungsmenschen und Einweiser für neue Gäste. Einen Spüldienst, der den Spülplatz herrichtete und aufräumte. Und zu allerletzt, wenn ich nichts vergessen habe, gab es einen Zuständigen.

Nach ca. 10 Tagen suchte ich dringend einen Ort der Ruhe, konnte jedoch keinen finden. Überall waren Menschen, Gespräche, Aktivitäten und Geräuschkullissen. Ich zog mich dann in mein kleines Igluzelt zurück, in das ich ein Feldbett gezwungen hatte, um nicht dierekt auf dem Boden schlafen zu müssen. Zum Glück stand es auf dem Familienzeltplatz. Dieser befand sich etwas abgelegen vom Hauptgeschehen im Garten der Nachbarn. Kaum hatte ich mich mühevoll hineingekuschelt, rückten mehrere Mütter mit ihren etwas unruhigen Babys an. Mit Panik in den Augen ergriff ich die Flucht über den Hauptweg. Dort kam mir ein fast voll besetztes Auto entgegen. ich stellte mich in den Weg und ließ mich in die Stadt mitnehmen. So verbrachte ich 2 Nächte und einen Tag ganz allein und in Ruhe daheim. Diagnose: Lagerkoller.

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Struckturaufstellung im Kornkreis zu verschiedenen Themen.
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Beim Bau einer Lehmziegelhandpresse wurden einfache Metallarbeiten vermittelt.
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Verschiedenene Vorträge, z.B. zum Thema Geld, Energiewende, Linux etc.
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Vermitteln von Vermessungstechnik im Gelände, um den Bau an der Freilichtbühne voranzutreiben.
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Nach getaner körperlicher Arbeit ist es durchaus legitim sich einem akuten Pennanfall hinzgeben.
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Und wieder ein Kreis im Korn.
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In der Abgeschiedenheit zog man sich zurück um spirituelle Themen zu behandeln. Es wurden Kenntnisse des Manga- und Comiczeichnen vermittelt und meditativ die Holzschwerter gekreuzt.
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… während Leute Leute fotografieren die Leute beim Leute fotografieren fotografieren. Es gab Vorträge zum Thema gesunde Ernährung mit Kräutern und Getreiden.
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Massage
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Musik und Tanz am Lagerfeuer.
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Hier der Bauplatz der Expo-Rotunde in Holzständerbauweise mit Strohfüllung, Lehmputz und Mandaladachkostruktion. Immerhin wurde der Rohbau mit Dachstuhl fertiggestellt, so dass ein kleines Richtfest stattfinden konnte.
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Bau eines Solarkochers.
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Musik und Kunst.
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Mikrokonzert auf dem Acker. Quasi das WOA für Arme. 😉
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Alles arbeitet. Der Landwirt erntet sein Korn, das Feuer macht Asche und Holzkohle und Menschen schaufeln und hacken in der Freilichtbühne.
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Ein Beispiel für das Tagesprogramm.
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Die Lehmziegelhandpresse nimmt Gestallt an, während Kinder betreut werden.
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Nicht dass man die noch kleineren Wesen übersieht, während man sich trifft und Gespräche über das Erlebte führt, oder sich einfach nur zurückzieht um einen Text zu lesen zu lernen.
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k-DSCF5824Mit Stolz wird der erste von Hand gepresste Lehmziegel präsentiert. Leider führte ein Konstruktionsfehler dazu dass nicht mehr gepresst werden konnte.
Nun muss erst nachgebessert werden bevor die Serienproduktion beginnen kann.

In der Abenddämmerung begaben wir uns auf eine schamanische Reise. k-DSCF5829

Der bergische Landregen konnte uns nicht davon abhalten überdacht an der Luft zu frühstücken und in den Feldern nach Wildkräutern zu suchen. Nur wenigen war es zu feucht und hielten sich daher im Haus auf.
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Leider konnte das letzte, abschließende Plenum nicht draussen am großen Lagerfeuer stattfinden. Statt dessen zogen wir uns in den großen Anbau, der wegen seiner Architektur „Muschel“ genannt wird, zurück und scharten uns um ein Teelicht.
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Fazit:
Es waren zwei großartige Wochen, mit vielen lieben Menschen, vielen tollen Workshops, genug zu essen und vielen guten Gesprächen.
Nicht so schön waren die Zwangspinkelpausen während meines Schlafes im kleinen Igluzelt und das damit verbundene Raus- und Reingekrabbel. Als ich daheim wieder im aufrechten Gang mein Schlafgemach verlassen und betreten konnte, war es wieder gut.

Erlebnisweg Bürgersteig

Es gibt den Eifelsteig, den Rheinsteig, den Rennsteig, den Moselsteig, den Bergischen Panoramasteig, und, und, und. Denkt da noch jemand an einen der ersten Steige, den Bürgersteig?
Wohl kaum. Im Internet findet man bei Wikipedia den Eintrag „Gehweg“. Darunter steht irgendwo geschrieben: „Der Bürgersteig heißt in der Deutschschweiz offiziell das Trottoir; dies ist auch die einzig übliche alltagssprachliche Bezeichnung. Das französische Wort Trottoir basiert auf dem Verb trotter (trotten) und dem Suffix -oir (von lateinisch -orium, der Ort, wo etwas stattfindet).“ Aha, das Trottoir ist also ein Ort, wo getrottet wird. Ich werde das Trotten an sich hier nicht ausfühlicher behandeln. Nicht dass ich nachher als Trottel da stehe.
Demnach befindet sich also der Bürgersteig in der Deutschschweiz. Immerhin scheint seine Länge eine sehr unwahrscheinliche zu sein, weil er sehr, sehr weit reicht.
Konrad Duden sagt dazu in Band 1 lediglich: „Bür|ger|steig“. Selbst dort wird ihm also nicht viel Bedeutung zugemessen.
Ich kann mir darauf keinen Reim machen dass so wenig über den Bürgesteig zu finden ist, während man ihn selbst direkt vor der eigenen Haustüre findet (was für eine gegensätzliche Aussage). Meistens wenigstens.
Aber das ist sein größtes Plus. Es braucht keine lange Anfahrt. Weder mit dem eigenen Kfz, noch mit einem öffentlichen Verkehrsmittel, oder gar mit einem per Muskelkraft angetrieben Fortbewegungsmittel. Und auch weiterhin weiß ich nur Gutes zu berichten.

Der eine findet ihn vor seiner Haustüre mitten in der Großstadt in eng bebauten Wohnvierteln, der andere am Stadtrand als schmalem Pfad mit naturbelassenen Rinnsteinen wieder.
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Ich selbst bevorzuge die Kurzstrecken innerhalb der Stadt, wegen ihrer Abwechslung und hoher Erlebnisdichte. Ganz gleich welche Richtung ich auch einschlage, des öfteren muss ich beherzten Schrittes Hindernisse überwinden und darauf achten nicht mit dem Rucksack an Aussenspiegeln hängen zu bleiben. Da ich noch nicht auf Gehhilfen jeglicher Art angewiesen bin klappt das aber einigermaßen gut.

An dieser Stelle weise ich außerordentlich auf die Gefahren hin, die durch tektonische Plattenverwerfung entstehen können. Im Laufe der Zeit verändern Betonplatten einfach mal so ihre Lage und heben oder senken sich an der ein oder anderen Stelle. Hier heißt es Augen auf und Füße hoch. Die unmittelbare Sturzgefahr droht hier und ist nicht zu unterschätzen.
Auf vom feuchten Niederschlägen benetzten Plastersteinen, oder sogenannten glatt polierten Katzenköppen herrscht hingegen extremste Rutschgefahr. Plötzliche Richtungswechsel sollten hier absolut vermieden werden.
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Nach wenigen Metern findet man im hügeligen Gelände oft sogenannte Treppen, mit deren Hilfe man recht bequem steilere Steigungen meistert und nicht wenige Höhenmeter auf kürzester Strecke überwindet. Teils sind seitliche Begrenzungen mehr, oder weniger künstlerisch gestaltet, teils wird man schlicht auf kürzestem Weg durch eine Schlucht geführt, die bei starken Regen zu einer Klamm werden kann.
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In manchen Kurven bin ich dankar für die Kettensicherung. Nicht dass ich wegen zu forschen Schrittes aus der Kurve getragen werde und die Bordsteinkante hinabstürze.
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Dann erreichte ich eine kurze Passage an der der Bürgersteig überdacht war. Warum wird das nicht grundsätzlich auf allen Wegen so gemacht? Ich fühlte mich darunter völlig sicher vor herabstürzenden Heißluftallons und es war angenehm schattig.
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Ich kam an einen Berg und entschied mich ihn zu besteigen, um fast an der Baumgrenze die Aussicht zu genießen. Zum Glück ging es schnurgerade hinauf, so dass mir der Blick nicht durch irgendwelche Serpentinen verbaut wurde.
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Oben auf dem Hochplateau fand ich recht verlassene, bis sanierungsbedürftige Wegabschnitte und Grundstückseinfriedungen die schon zu dieser Jahreszeit in prächtigster Rostblüte standen.
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Irgendwo dort fand ich auch diesen kleinen Schatz. Wegen der ermoren Höhe des klippengleichen Bordsteines traute ich mich nicht ihn zu heben. Was, wenn ich in dieser Einöde stürze … In meinem Kopfkino spielen sich unglaubliche Szenarien ab. Ich versuche sie abzuschütteln und zu vergessen. Doch der Horror holt mich wieder ein und beschäftigt mich noch eine Weile.
Ich könnte gar von solch einem in großer Eile vorbeirasenden, gummibereiften Blechungetüm erfasst werden und seine frischgewaschene, hartwachsbewehrte Lackoberfläche mit meinen spontan austretenden Körpersäften kontaminieren. Was dann?
Nein, das war mir gar zu gefährlich. Ich trotte weiter auf der Suche nach anderen Erlebnissen.
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Etwas später komme ich an diesen mittels Leuchtsignal überwachten Fahrbahnübergang. Wie auf dem Beweisfoto zu sehen ist, signalisiert mir die Überwachung wegen drohender Gefahr stehen zu bleiben.
Diese Gefahr muss sehr umfassend sein, weil ich nach ca. 20 Minuten, immer noch stehend, vor der Warnung in meiner letzten Bewegung verharrte. Ich setzte mich schließlich.
Nach weiteren geschätzten 20 Minuten bekam ich Gesellschaft von einem mir unbekannten Wanderer. Er sah mich an und fragte ob es mir eventuell nicht gut ginge und Hilfe benötigte. Ich verneinte höflich seine Bedenken und teilte ihm mit dass ich lediglich auf das erlösende Signal wartete, die Fahrbahn gefahrlos überqueren zu können.
Er schüttelte nur den Kopf, wandte sich von mir ab und manipulierte irgend etwas an dem kleinen gelben Kasten der sich in Brusthöhe an der Warnanlage befand. Ich konnte leider nicht erkennen was er genau machte. Auch fiel mir nicht auf welches Werkzeug er dazu benuzte. Aber er hat eindeutig irgendwas daran herumgefummelt. Denn nach wenigen Augenblicken wechselte das Signal auf grün. Gefahr gebannt.
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Da tut sich plötzlich eine Abkürzungsmöglichkeit zwischen zwei Bürgersteigen auf. Es sind zwar auch einige Stufen zu nehmen, aber abenteuerlich mutet die Wildnis links und rechts an. Wahrscheinlich begegnen mir dort wilde Singvögel und gefährliche Erdhummeln. Ich hab es am Ende heil überstanden und konnte triumphierend auf das geleistete hinabschauen.
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Dann plötzlich wieder ein Singletrail im Großstadtdschungel. Kurz vor der Unterzuckerung finde ich gerade noch rechtzeitig vor der nächsten Treppe eine adäquate Nachfüllstation.
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Schließlich komme ich in eine Gegend in der der Bürgersteig die komplette Häuserflucht ausfüllt und zahlreiche Picknickplätze zur Rast einladen.
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Einige Meter weiter werde ich vorbei an schmiedeeisernen Leitplanken trockenen Fußes über einen Fluss geleitet. Offensichtlich besteht hier Diebstahlgefahr, so dass das wertvolle Metall mit Vorhängeschlössern gesichert werden muss.
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Hier konnte ich auch feststellen dass nicht nur Menschen ihren Müll einfach liegen lassen, sondern auch Müll einfach ihren Menschen mehr oder weniger liegen lassen.
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k-DSCF3832Bei einer weiteren Brücke fielen mir die unterschiedlich hohen Geländer auf. Ich habe sie eine ganze Weile beobachtet. Jedoch wollte sich mir der Grund hierfür nicht erschließen.

 

 

 

Da hätte ich besser mal die letzte Picknickbank genutzt. Hier ist alles schon besetzt. Und um ein Haar hätte ich mich von der lieblich anzusehenden Schaufensterdekoration ablenkenlassen und dieses Hindernis übersehen.
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Dann geschah es. Ich geriet in eine Art Sog und andere anscheinend auch. Folgten wir dem Ruf eines höheren Wesens oder der gleichen inneren Stimme? Geriet ich gar in eine Art Revolution? Die Menschen gingen teilweise kreuz und quer und bemächtigten sich später sogar der Fahrbahn.
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Nur gut dass es in recht kurzen Abständen Rastmöglichkeiten mit reichhaltig gastronomischen Angebot gab. Manch ein Wanderer wäre dort sonst nicht lebend wieder heraus gekommen. Stellenweise wurde ich sogar von einäugigen Wesen beobachtet.
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Wie bin ich froh wenn ich diese breiten, weißen Streifen sehe. In Gedanken überquere ich dann die Abbey Road, so sicher wie ein Beatle.
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So oft bin ich schon über diesen Weg mit dem geheimen Code gegangen. Es ist mir bis heute nicht gelungen ihn zu entschlüsseln.
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Vorsicht muss man immer walten lassen. Nicht dass man sich unbemerkt die Hinterlassenschaften mancher Viebeiner ins Profil seiner Schuhsohlen massiert und sich später über die strenge Geruchsbildung im Auto, oder im Flur wundert. Mancherorts ist dafür die Wahrscheinlichkeit auf dem Bürgersteig recht hoch. Auf dem Eifelsteig z.B. hingegen ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich geringer. Dafür findet man dort hin und wieder Klumpen von anderen Vierbeinern, über die man sogleich ins Stolpern geraten kann.
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Fazit:
Der Erlebnisweg Bürgersteig wird oft unterschätzt und daher eben auch schnell vergessen.
Er hat durchaus seine Reize und kann sich mit manch anderem Steig unbesehen messen.
Man muss nur richtig hinschauen…

Borkum

Den Oktober 2012 verbrachte ich auf zur Erholung auf Borkum. Dort ging ich mehr spazieren als wandern. Aber ich war dort soviel draussen wie möglich. Im Folgenden veröffentliche ich einige fotografisch eingefangene Eindrücke und Impressionen.
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Hurra, ein Schiff! Ich bin gerettet!
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Das war bestimmt ein Seepferdchen…
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Es ist dort sehr, sehr flach. Die einzigen Erhebungen sind Deiche und Dünen.
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Unterschiedlichste Relikte sind zu finden.
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Airport
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Hier und da sogar ein wenig Birkenwald
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Die See lädt jeden Tag zu ausgedehnten, oder nur zu kleinen Strandspaziergängen ein.
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Um eine Insel fahren Schiffe
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Borkum besitzt einen alten, und einen neuen, noch höheren Leuchtturm. Den gallt es zu bezwingen um die Aussicht zu genießen.

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Schmale Pfade gab es zu entdecken und immer wieder Sanddorn.
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Der Himmel über Borkum
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Die Sonnenuntergänge waren nicht so spektakulär
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Aber die Sonnenaufgänge waren traumhaft schön
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Es gäbe noch eine Menge mehr zu zeigen. Aber das soll hier kein Diaabend oder ähnliches werden. Deshalb breche ich an dieser Stelle ab. Eventuell füge ich das ein oder ander zu einem späteren Zeitpunkt nach, oder Lösche auch etwas. Mal sehen.