Von Dhünn ins Dhünntal

… herbei geträumt

Der mit Tannennadeln bedeckte Weg führt steil bergab. Halb vergrabene Steine schlagen schmerzend nach meinen Zehen. Dicke, knorrige Wurzeln greifen nach meinen Füßen und vesuchen mich zu Fall zu bringen. k-DSCF0613k-DSCF0652
Der Weg wird steiler und steiler. Ich kann kaum noch bremsen und werde immer schneller. Kippt die Welt langsam nach vorne? Hab ich mich doch verlaufen? Ein kurzer Blick auf meinen Kompass lenkt mich ab. Da geschieht es.
Ich bleibe mit meinem Fuß an einer dicken Wurzel hängen. Mein Körper gerät aus dem Gleichgewicht und schnellt ohne weiteren Bodenkontakt im hohen Bogen meterweit nach vorne. Wie in Zeitlupe sehe ich den Boden unter mir hinfort ziehen. Dort krabbeln ein paar Ameisen und schleppen einen verendeten Mistkäfer in ihr Nest. Hier und da stehen einige Pilze und winken mir freundlich zu. Ein Farnkraut geht vorsichtig und leise in Deckung. Ich vollführe im Flug eine vollständige, jedoch grotesk unkontrollierte Körperdrehung und wähne mich schon schwerverletzt am Waldboden liegend, jämmerlich zu Grunde gehend. Überraschender Weise erfahre ich recht sanften Bodenkontakt und drehe mich noch mindestens einmal. Schwindelig und desorientiert vesuch ich mich aufzurichten. Peng! Ich stoße dabei mit dem Kopf an den Kleiderschrank.
Wer zum Kuckuck stellt einen Kleiderschrank mitten in den Wald? Ich blicke mich um und befinde mich zu meiner Überraschung zu Füssen meines Bettes, halb eingerollt in meiner Bettdecke in meinem Schlafzimmer….
Zum Glück war das alles nur ein sehr real wirkender Traum.

Damit sich der Traum nicht bewahrheitet musste ich heute unbedingt in die Natur und  ganz besonders darauf achten wo ich hintrete.
So kam es dazu dass ich an einem sehr regnerischen Morgen zwischen Weihnachten und Neujahr meinen Rucksack packte und mich auf den Weg machte.
Als nächstes stand auf meiner Liste die Tour 15 aus dem Bergischen Wanderführer von Hikeline.
Im strömenden Regen erreichte ich den Wanderparkplatz in dem kleinen Örtchen Dhünn. Hätte ich unterwegs in der Ferne nicht ein paar helle Stellen am Himmel entdeckt, wäre ich wohl direkt wieder umgekehrt. So blieb ich noch eine gute halbe Stunde im Auto sitzen, hörte Radio und wartete bis der Regen deutlich schwächer wurde. Dann fasste ich mir ein Herz, zog direkt die Regenjacke über und marschierte endlich los.

Die Bäche waren vom Regen gut gefüllt, wie hier die Kleine Dhünn.

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Es geht über Staelsmühle weiter auf Asphalt zur Knochenmühle. Dann bekomme ich den ersten Waldboden unter die Füße.
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Nachdem ich den kleinen Wald wieder verlasse stellte ich fest dass der Regen aufgehört hatte. Endlich konnte ich die Kapuze absetzen und meine Ohren von diesem nervigen Stoffgeraschel befreien um meine Umgebung wieder ungestört akustisch wahrzunehmen.
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Zwischendurch droht mir Petrus zwar immer wieder mit weiteren Güssen, belässt es aber auch dabei. Es blieb trocken. Wenigstens von oben. Die Wege waren dafür äusserst geschmeidig und umhüllten meine Schuhe mit einer ordentlichen Schlammschicht.
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Der Weg führt mich weiter über das sehr abwechslungsreiche bergische Land durch die kleine Siedlung Bockhacken und Schückhausen nach Purd, wo müde Wanderer herzlich eingeladen sind. Ich war jedoch noch nicht müde genug für eine Rast und bestaunte noch eine Weile den Purder Bach, der sein Bett teilweise schon auf umliegende Wiesen erweiterte.
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Etwas weiter überquerte ich ohne es zu bemerken die Große Dhünn und kam über die Neue Mühle an einem sehr großer Wanderparkplatz vorbei, auf dem nur sehr wenige Autos parkten. Dort in der näheren Umgebung begegneten mir eine handvoll Spaziergänger, Jogger und Wandersleut. Die Große Dhünn mündet in einer Vorsperre zur Dhünntalsperre. Dort irgendwo ließ ich mich eine kleine Weile auf einer Bank nieder und stärkte mich mit einem rustikalen Wurst- und Käsebrot und einem Becher heißen Ostfriesentee.
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Ob dort jemanden sein Schirm zu lästig wurde als es aufhörte zu regenen?
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Ich wandte der Talsperre den Rücken zu und ging bergauf weiter über Hammesrostringhausen und Großrostringhausen. Merkwürdiege Namen.
Hier wird eindeutig auf den ersten Schnee gewartet und neu schmiegt sich an alt.
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Vereinzelt schaffte die Sonne es doch noch ein kleines Loch in die Wolkendecke zu brennen.
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Diese Beschilderung räumt alle Zweifel aus im Bergischen Land sein. In der Sesamstraße würde man sagen: „Eins von Dingen ist anders als die anderen.“ Und merkwürdige Würfelpilze wachsen auch hier in der Gegend.
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Weiter geht es nach Oberpilghausen.
Mir ist im bisherigen Leben schon so manch schräger Vogel begegnet. Aber das war die erste schräge Vogelscheuche. Im Umkehrschluss sagt mir das dass die Leute hier anscheinend von schrägen Vögeln verschont bleiben. 😉
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Ein letztes mal geht es über Felder, Wiesen und durch einen Wald wieder über die kleine Dhünn in den Ort Dhünn.
Mensch, bei soviel Dhünn heute müsste ich eigentlich unglaublich schlank sein.
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Dieses Etablissment lässt weibliche Herzen höher schlagen wurde mir mitgeteilt. Weil ich so aussah wie ich aussah, schlammverschmiert bis über beide Knie, hab  ich es jedoch unterlassen das genauer von innen zu überprüfen.
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Wieder in Dhünn ein letzter Anstieg zur Kirche. Zur Post wäre eine Einkehrmöglichkeit und in dem alten Gebäude mit den zwei Eingängen verbirgt sich das 4-Sterne Hotel und das Restaurant „Zu den drei Linden“
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Die Altkleidercontainer führen sich hier sehr harmonisch ins Landschaftsbild ein.
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Noch mehr Bilder

und der aufgezeichnete Track.

2 Gedanken zu „Von Dhünn ins Dhünntal

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